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Verleihung des Grades eines Dr.phil. h.c. an James Alfred Loader (Mitte). links: Henk Potgieter, Vizedekan der Geisteswissen- schaftlichen Fakultät der Universität von Pretoria; rechts: Dawie Marais, Direktor der Akademischen Administration der Universität von Pretoria.


James Alfred Loader bei seiner Ansprache.


Das sogenannte "Alte Universitätsgebäude" der Universität Pretoria.


Campus der Universität Pretoria mit dem Neuen Institutsgebäude der Geisteswissenschaften im Zentrum.


Neues Rektoratsgebäude der Universität Pretoria.


Dekanat der Evangelisch-Theologischen Fakultät University of Pretoria
Universität Pretoria verlieh Ehrendoktorwürde an Dekan Loader
Auszeichnungen
Gastbeitrag von Christian Danz am 14. Mai 2009

James Alfred Loader, Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien und Ordinarius für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie, wurde am 24. April 2009 von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Pretoria/Südafrika mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.

Dekan Loader, der bereits im Jahre 2008 den "Leading Minds 1908-2008"-Preis der Universität Pretoria erhalten hatte, wurde der Grad "Doctor Philosophiae honoris causa" verliehen. Die Universität Pretoria hob in ihrer Begründung für die Verleihung der Ehrendoktorwürde vor allem die wissenschaftlichen Leistungen von Professor Loader in der alttestamentlichen sowie altsemitistischen Forschung hervor. Hingewiesen wurde auch auf sein Engagement gegen die Apartheit in Südafrika. In seiner Kirche sei er oftmals "a lone voice" gewesen, "supported only by his wife, Rina, and their children, Benjamin and Reina-Marie but later also by a growing number of his former students at the University of Pretoria". So war es durchaus passend, dass auch Nelson Mandela, der ehemalige Präsident Südafrikas, der Ehrenpromotion von Dekan Loader beiwohnte und zu den Gratulanten gehörte.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Wien nahm die Verleihung der Ehrendoktorwürde für ihren Dekan zum Anlass, ihm am 29. April 2009 in einer Feier zu gratulieren. In Zeiten, in denen die theologischen Fakultäten an den Universitäten immer stärker unter Legitimationsdruck kommen, unterstreicht die Verleihung eines philosophischen Ehrendoktorats an einen evangelischen Theologen auch die Anerkennung der evangelischen Theologie in einem interfakultären Rahmen.

"Außerordentliche Begabung und ständige Forschungsarbeit"

Der Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Pretoria, Prof. Dr. Henk Potgieter, begründete die Verleihung des Grades Doctor Philosophiae damit, dass Loader in seinem gesamten Wirken die altorientalische Perspektive der alttestamentlichen Wissenschaft pflege - sowohl die Sprachen und Literaturen als auch die Kultur- und Religionsgeschichte und besonders die jüdische Dimension der biblischen Texte. Damit habe er sich als einer der produktivsten und einflussreichsten Meinungsbildner bewiesen, die aus der Universität Pretoria in den hundert Jahren ihrer Existenz hervorgegangen seien. Die Universität wolle ihm huldigen als einem Akademiker, der mit einer Verbindung von außerordentlicher Begabung und ständiger Forschungsarbeit zu ihren bedeutendsten Denkern zählt.

In seiner Begrüßung zum Festbankett betonte Prof. Dr. Johan Buitendag, Dekan der Theologischen Fakultät und Professor für Systematische Theologie, dass der Honorandus seine Entscheidungen nie als erledigte Gabelungen im Weg hinter sich gelassen habe, sondern sie in seine totale Existenz integriert habe. "Loader wurde Universitätslehrer, blieb aber Pfarrer; er ist Theologe und Altorientalist, Österreicher und Südafrikaner, Mitglied der Evangelischen Kirche Österreichs, aber auch der südafrikanischen; und, so ist zu ergänzen, berühmt, aber bescheiden. Wir ehren einen Kollegen, der seiner Universität, seiner Kirche, seiner Familie und seinen Freunden eine Zierde ist", so Buitendag.

Auszug aus der Laudatio von Prof. Dr.DDr. Andries van Aarde:

"Beim Ehrengrad für James Alfred Loader ist die Geisteswissenschaftliche Fakultät der Theologischen Fakultät zeitlich vorangegangen, weil nicht nur in jener, sondern auch in dieser der Wunsch zu einer Ehrenpromotion initiiert wurde, in letzterem Fall zum Doctor Divinitatis honoris causa. Auch das belegt die von oben 'fallende Zeit' Gottes im Sinne Kohelets. Wir ehren Herrn Loader mit Stolz. Während der hundert-Jahr-Jubiläumsfeierlichkeiten der Universität Pretoria im Jahr 2008 wurden drei Semitisten, die alle drei auch Theologen waren, als 'Leading Minds' des Jahrhunderts ausgezeichnet. Von diesen lebt nur noch Loader. Die beiden anderen, Berend Gemser und Adrianus van Selms - beide, wie Loader es in den siebziger Jahren war, Professoren der Semitischen Sprachen an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät - haben die Auszeichnung posthum bekommen.

Loader gebührt Huldigung, weil er während seiner akademischen Karriere das Konzept 'leading mind' in verschiedenen Hinsichten realisierte: Während seiner niederländischen Zeit war er der erste Südafrikaner, der die Themen 'Macht' und 'Gewalttätigkeit' in die theologische und exegetische Diskussion einführte. Damit hat er sowohl die südafrikanische Theologie als auch die Philosophie nachhaltig in eine immer aktueller werdende Thematik geführt.
Seit seinen Forschungen an der Universität Cambridge hat er in Zusammenarbeit mit dem berühmten James Barr der Theologie erstmals die Essenz und das heute immer klarer werdende Verhängnis des Fundamentalismus vorgeführt.

Auch in einer dritten Hinsicht ergriff er die Führung: Als er in seinen geschichtlichen Forschungen die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der niederländischen Ethischen Theologie sowohl dort als auch in Südafrika lenkte. Den griechischen Begriff 'ethos', der mit 'Lebenspraxis' übersetzt werden dürfte, hat Loader in seinem eigenen Leben internalisiert. Mit seiner eigenen Lebenspraxis hat er vorgelebt, was der Begriff  'ethos' in Theologie und Kirche bedeutet bzw. bedeuten soll. Oft wird die Ethische Theologie als eine Art goldene Mitte interpretiert. Er hat jedoch gezeigt, dass, epistemologisch gesehen, die 'dritte Option' keineswegs bedeutet, unvereinbare Gegensätze in einer Art Kompromiss aneinander zu heften, sondern vielmehr eine Bereitschaft zu grundlegenden und ausgewogenen Entscheidungen beinhaltet.
Wir ehren einen Akademiker, der in den Niederlanden mit dem Teylerpreis für Theologie gekrönt wurde, der die Kanzlersauszeichnung der Unisa erhielt, der vom Nationalen Parkenrat Südafrikas die Auszeichnung für Außerordentliche Verdienste um den Umweltschutz bekam und der von der Stadt Wien mitgewürdigt wurde für seinen Beitrag zur Stadt als akademisches Zentrum. Das tun wir zu einer höchst sinnvollen Zeit: an einem entscheidenden Tag in der Geschichte Südafrikas, um ihm nicht nur zu huldigen, sondern ihm auch für den Beitrag zu danken, den er für Kirche und Theologie sowie für seine StudentInnen und Freunde geleistet hat."

Univ.-Prof. Dr. Christian Danz ist Vizedekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien

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