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Pharmazeutin Verena M. Dirsch


Institut für Pharmakognosie
Univ.-Prof. Dr. Verena M. Dirsch
Verena M. Dirsch: Gentechnologie in der Pharmazie
Forschungsprojekte, Porträts Neo-Professuren
Tamara Ehs (Redaktion) am 31. Januar 2005

Mit 1. Oktober 2004 hat Univ.-Prof. Dr. Verena M. Dirsch als Forscherin und Lehrbeauftragte für Pharmakognosie die Nachfolge von Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Kubelka an der Fakultät für Lebenswissenschaften übernommen. Sie plädiert für die Zugehörigkeit der Bio- und Gentechnologie zur Pharmazie und hofft, dass der Genuss von Rotwein das Herzinfarktrisiko senkt.

Gefragt nach ihrer Einschätzung der Position der Pharmazie an der Universität Wien im europaweiten Vergleich gerät Univ.-Prof. Dr. Verena M. Dirsch ins Schwärmen: "Besonders im Bereich der Pharmakognosie sind von der Charakterisierung der Pflanze bis zur Isolierung und der Pharmakologie der Inhaltsstoffe in Wien nun alle Arbeitsrichtungen vertreten. Das ist einzigartig in Europa!" Mit ihrer Professur für Pharmakognosie (oder "pharmazeutische Biologie", wie es die Bayerin nach der deutschen Nomenklatur noch manchmal nennt), bei der Dirsch vor allem pharmakologische Themen und Techniken aufgreift, ergänzt sie die bisher eher an klassischen Gebieten wie Mikroskopie und Analytik orientierte Wiener Forschung. Forschungsschwerpunkt biogene Arzneistoffe Schon als Gastprofessorin hielt Dirsch im vergangenen Sommersemester gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Brigitte Kopp eine Lehrveranstaltung über "Biogene Arzneistoffe" ab, die auch im Sommersemester 2005 wieder auf ihrem Lehrplan stehen wird. Die Aufgabe ihrer forschungsgeleiteten Lehre sieht Dirsch vor allem darin, jene molekular- und zellbiologischen Themen zu vermitteln, die angehende PharmazeutInnen in Zukunft benötigen werden. Gerade biogene Arzneistoffe, die nicht pflanzlichen Ursprungs sind, wie rekombinante Proteine, d.h. gentechnisch hergestellte körpereigene Stoffe, werden in der Medizin immer wichtiger. Ihre Einsatzgebiete liegen z.B. in der Tumortherapie, aber auch in der Behandlung klassischer Stoffwechselerkrankungen wie dem Diabetes. Das wohl prominenteste Beispiel ist hier das Insulin: "Früher wurde Insulin von Schweinen oder Pferden gewonnen. Doch seit den 1980ern wird es gentechnisch hergestellt, was den PatientInnen immense Vorteile bringt, denn diese Stoffe sind besser verträglich; die Proteine können zudem modifiziert und damit den Bedürfnissen der PatientInnen angepasst werden." Für rekombinante Proteine konstatiert Dirsch "einen großen Wachstumsmarkt in der pharmazeutischen Industrie, weswegen es unentbehrlich ist, von diesen zu lehren beziehungsweise über diese zu lernen", und fügt hinzu: "Gerade auf dem Sektor der Arzneistoffherstellung ist die Gentechnik ein Segen und wird es auch in Zukunft sein." Münchner und US-amerikanische Netzwerke Was Verena Dirsch in die Forschung und Lehre an der Universität Wien einbringen will, ist ihre Überzeugung "Biotechnologie und Gentechnologie gehören längst zum Fach der Pharmazie!" Deshalb hofft sie auch auf eine Vernetzung des Pharmaziezentrums mit dem Vienna Biocenter. Durch ihre Studien an der Ludwig-Maximilian-Universität in München und an der Columbia University in New York hat Dirsch sich einen breiten Zugang zur Pharmakognosie angeeignet und Netzwerke gebildet, die nun auch den WissenschafterInnen und StudentInnen an der Fakultät für Lebenswissenschaften in Wien zugute kommen. Dirsch pflegt enge Verbindungen zu ihrer Heimatuniversität München und fördert dahingehend auch den Austausch ihrer DoktorandInnen. Außerdem arbeiten die Universitäten Wien und München im Rahmen eines EU-Projekts zur Auffindung von Proteinkinasehemmern zusammen. In die USA bestehen enge Kooperationen mit Prof. Sorescu  von der Emory School of Medicine, Division of Cardiology, Atlanta. "Zusammen mit ihm wollen wir untersuchen, ob und wie verschiedene Naturstoffe der Entstehung von Arteriosklerose (im Volksmund: Arterienverkalkung) vorbeugen können", so Prof. Dirsch. Zudem gibt es über München eine sehr interessante Zusammenarbeit mit dem Cancer Research Institut von Prof. Pettit (Tempe, Arizona), einem Spezialisten auf dem Gebiet der Isolierung zytotoxischer Naturstoffe aus marinen Organismen. Merlot oder Shiraz? Aus München hat Dirsch ein Projekt mitgebracht, für das sich nicht nur KardiologInnen, sondern auch pharmazeutische Laien interessieren: Ausgehend vom Phänomen, dass Französinnen und Franzosen ein um 30 bis 50 Prozent vermindertes Herzinfarktrisiko haben, obwohl sie sich genauso gut oder schlecht ernähren wie die übrigen EuropäerInnen und US-AmerikanerInnen, gehen Dirsch und ihre ForschungspartnerInnen der gefäßschützenden Wirkung von Rotweininhaltsstoffen auf den Grund. Dirsch untersuchte an einem Zellsystem Rotweinpolyphenole und fand heraus, dass diese tatsächlich imstande sind, die Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO) in Gefäßzellen zu erhöhen. Wem Stickstoff nur als Autoabgas bekannt ist, den klärt Dirsch auf, dass NO in geringen Mengen auch von Endothelzellen (das ist die innere Zellauskleidung der Blutgefäße) gebildet wird und damit das Gefäß schützt. Das nächste Ziel innerhalb dieses Projekts ist es herauszufinden, welche Inhaltsstoffe des Weines genau für diesen Vorgang verantwortlich sind. Dabei wird man auch der Frage nachgehen, ob die Wirkung von Rotwein ebenso von Anbaugebiet und Rebsorte abhängig ist, wozu Dirsch mit wissenschaftlichem Humor anmerkt: "Für die Kardiologie ist es wichtig zu wissen, ob man Merlot oder Shiraz trinken sollte." (te)

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