Am Donnerstag, 13. Mai 2010, erhält Anton Zeilinger in der Jerusalemer Knesset den Wolf-Preis für Physik - die nach dem Nobelpreis international renommierteste Auszeichnung für PhysikerInnen. Der Preis wird dem Quantenphysiker im Beisein von Rektor Georg Winckler und Dekan Christoph Dellago durch den israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres überreicht. |
Der Wolf-Preis ist eine der international renommiertesten Wissenschaftsauszeichnungen. In seiner 32-jährigen Geschichte wurde der Preis bisher an 45 Physiker verliehen, darunter ein Dutzend spätere Nobelpreisträger. Anton Zeilinger erhält den Preis gemeinsam mit John Clauser und Alain Aspect für grundlegende konzeptionelle und experimentelle Beiträge zur quantenphysikalischen Verschränkung.
"Der Wolf-Preis ist nach dem Nobelpreis die angesehenste Auszeichnung, die man als PhysikerIn bekommen kann", sagt Christoph Dellago, Dekan der Fakultät für Physik. Er freut sich ganz besonders mit Anton Zeilinger für die hohe Ehrung und wird kommende Woche gemeinsam mit Rektor Georg Winckler bei der Verleihung des Preises in Jerusalem dabei sein: "So eine bedeutsame Anerkennung eines Mitglieds unserer Fakultät erhöht unsere internationale Sichtbarkeit und ist zudem eine Bestätigung für die strategische Entwicklung der Fakultät. Spitzenleute wie Anton Zeilinger mit an Bord zu haben, ist eine Freude - und auch ein wahrer Segen, da solche Erfolge weitere exzellente WissenschafterInnen nach Österreich und an die Universität Wien ziehen."
So richtig gefeiert wird Anton Zeilinger an der Fakultät für Physik im Rahmen seines Geburtstagsfests Ende Mai - ein verfrühtes, aber dafür kaum zu überbietendes "Geburtstagsgeschenk" bekommt er ja bereits kommende Woche in Jerusalem von Schimon Peres persönlich überreicht.
Quantenphysik Richtung Anwendung vorangetrieben
Anton Zeilinger leistet seit vielen Jahren mit seiner engagierten Arbeit einen wesentlichen Beitrag zu wichtigen Forschungserfolgen auf dem Gebiet der Quantenphysik. Seine Arbeiten stellen fundamentale Grundsteine für viele moderne Quanteninformationstechnologien dar, die heute weltweit intensiv erforscht werden.
"Aufbauend auf den theoretischen Beiträgen von John Bell haben Clauser, Aspect und Zeilinger die in den 1930er-Jahren von Einstein und anderen formulierten Paradoxa ins Labor gebracht und in Experimenten überprüfbar gemacht", erzählt Zeilingers Fachkollege Peter Zoller, geschäftsführender Direktor des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI). Mit seinen Experimenten zur Teleportation und zur Quantenkryptografie hat Zeilinger dieses Gebiet auch noch weiter in Richtung Anwendung vorangetrieben.
Von einer Vermutung zum überprüfbaren Experiment
Die Namen von Clauser, Aspect und Zeilinger sind in der jüngeren Geschichte der Physik fest mit der Messung der Bellschen Ungleichungen verbunden. Ein Schlüsselkonzept der Quantenmechanik ist die Verschränkung. Für verschränkte Zustände, wie sie Einstein, Rosen und Podolsky (EPR) erstmals einführten, sagt die Quantenmechanik eine starke Korrelation zwischen Messungen zweier Teilchen voraus, die stärker als in der klassischen Physik ist.
Während Einstein im Sinne eines "lokalen Realismus" darin ein Problem der Quantenmechanik sah, das er in Form von "Gedankenexperimenten" diskutierte, war es John Bell, der als erster Ungleichungen formulierte, die letztlich eine Brücke zur quantitativen Überprüfung all dieser Fragen im Labor bildeten. "Clauser mit seinen frühen Arbeiten und insbesondere in der Folge Aspect und Zeilinger mit ihren Experimenten mit verschränkten Photonen haben solche gleichzeitig lokalen und realistischen Theorien widerlegt. Diese Arbeiten waren Pionierleistungen der Quantenphysik", so Zoller.
Quantenphysik-Nation Österreich
Im Feld der Quantenphysik spielt Österreich - mit international bekannten Größen wie Anton Zeilinger, Hans Briegel, Rainer Blatt oder Rudolf Grimm ganz vorne mit. Dazu gratuliert auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl: "Der Wolf-Preis für Anton Zeilinger bestätigt, dass Österreich in der Quantenphysik zur Weltspitze gehört. Es gilt, dieses Stärkefeld des heimischen Forschungsstandorts auch künftig zu stärken", so die Ministerin.
Dass die Arbeit von Anton Zeilinger im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnet ist, hat sich auch schon in der Vergangenheit gezeigt: Mit dem Wolf-Preis erhält er nach seiner Aufnahme in die Französische "Académie des Sciences" bereits die zweite hochrangige Ehrung in diesem Jahr. 2005 wurde ihm der King-Faisal-Preis zuerkannt. (APA/br)
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