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Der Theologe Ludger Schwienhorst-Schönberger hält am Mittwoch, 9. Jänner, seine Antrittsvorlesung.


Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaftder Katholisch-Theologischen Fakultät Lebenslauf von Ludger Schwienhorst-Schönberger Einladung zur Antrittsvorlesung  
Warum die Bibel aktuell ist
Forschungsprojekte, Porträts Neo-Professuren
Bernadette Ralser (Redaktion) am  2. Januar 2008

Seit Juni 2007 ist Ludger Schwienhorst-Schönberger nicht nur Inhaber der Professur, sondern außerdem Vorstand des Instituts für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Zur Bibelwissenschaft kam der Theologe, dem die Interpretation des Alten Testaments im Kontext der modernen Zeit ein Anliegen ist, über die "philosophische Hintertreppe". Am 9. Jänner 2008 hält er seine Antrittsvorlesung.

Nach zwei Jahren als Gastprofessor wurde O. Univ. Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger im Juni 2007 als Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an die Universität Wien berufen - sozusagen ein verspätetes Geburtstagsgeschenk: Denn am 19. Mai feierte der deutsche Theologe seinen 50. Geburtstag. Nun pendelt der verwitwete, zweifache Vater wöchentlich zwischen zwei Welten: Vom Hausmann in Passau zum Professor und Vorstand des Instituts für Alttestamentliche Bibelwissenschaft in Wien.

Buch der Gegenwart

Als Professor ist ihm vor allem eines wichtig: seinen Studierenden kein "abgestandenes Wissen", sondern einen modernen Zugang zu biblischen Texten und ihrem "überzeitlichen Wahrheitsgehalt" zu vermitteln. "Die Bibel ist ein Buch der Gegenwart", sagt der Experte für alttestamentliche Weisheitsliteratur: "Kohelet zum Beispiel stellt die Frage 'Was ist Glück?'; im Buch Ijob stehen Leid und Verlust im Vordergrund. Das sind zeitlose, universale Themen des menschlichen Lebens: Die Suche nach dem Glück - und die Erfahrung, dass es uns wieder genommen wird."

Wissenschaft und Glaube

Das Alte Testament, im Kontext unserer Zeit gelesen und verstanden, ist also kein Schriftwerk aus grauer Vorzeit: "Die bloße Gegenüberstellung modern versus traditionell greift im Hinblick auf die Bibel zu kurz", sagt der neue Professor: "Es handelt sich vielmehr um eine dynamische Beziehung zwischen Rückbindung an die christliche Tradition und Offenheit für den geistigen Gehalt der 'Heiligen Schrift'."

Das kontextuelle Lesen alttestamentlicher Texte sowie die Nutzbarmachung "zeitlos gültiger" philosophischer Grundgedanken der Bibel für die Probleme und Ansprüche der modernen Welt strebt Schwienhorst-Schönberger auch in der Forschung an. Ob es ein Problem für ihn sei, seinen persönlichen Glauben mit der "harten Wissenschaft" zu verbinden? "Wissenschaft ist auch eine Art Religion", schmunzelt der katholische Theologe: "Aber der Glaube ist spannender."

Das Zen des Bibellesens

Ein weiterer Schwerpunkt im Leben und Arbeiten Schwienhorst-Schönbergers ist die Kontemplation, eine meditative Übung, bei der sich der Blick "nach innen" richtet - sozusagen die christliche Version der Zen-Meditation: "Viele Menschen sind auf der Suche nach dem tieferen Sinn ihres Lebens. Sie haben das vage Gefühl, dass ihnen etwas fehlt - hier setzt die spirituelle Praxis der 'contemplatio dei' an", so der Theologe, der selbst neben Kontemplation auch Zen praktiziert und diese Methoden in speziellen Kontemplationskursen einer breiten, christlichen wie nichtchristlichen Öffentlichkeit nahebringen will: "Diese stille Form der Meditation verfolgt das Ziel, die Gedanken auszuschalten und eine tiefere spirituelle Wirklichkeit zu erfahren, die sich dem unmittelbaren Zugriff entzieht." Nebenbei dient diese "urchristliche Tradition" dem Bibelwissenschafter als Grundlage für die Interpretation alttestamentlicher Texte; die Themen Spiritualität und Gottesfrage stellen allgemein einen neuen Forschungsschwerpunkt am Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft dar.

Vom Philosoph zum Theologen

Begonnen hat Ludger Schwienhorst-Schönbergers akademische Karriere im Jahr 1976 mit einem Philosophie-Studium in München, an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten: "Es war die Zeit der großen Atheismusdiskussionen - ich war katholisch erzogen worden, aber ich wollte der Sache auf den Grund gehen", so der Bibelwissenschafter, den die Neugier auf die Grundfeste der Welt schließlich zum Studium der katholischen Theologie und unter anderem nach Jerusalem geführt hat: "Dort wurde mir die Vielfalt der Weltreligionen und Glaubensrichtungen bewusst und ich erkannte, dass der Katholizismus nur ein Weg unter vielen ist."

Die philosophische Frage nach der Wahrheit begleitet den Lebensweg des Theologen, der sich mit einem umfangreichen Kommentar über das "Buch Kohelet" habilitierte, u.a. Bücher zur Theologie des Alten Testaments und über das "Buch Ijob" verfasst und neben Gastprofessuren in Münster, Jerusalem und Wien seit 1993 hauptsächlich an der Universität Passau gelehrt hat. Schwienhorst-Schönberger: "Man könnte sagen, mein Weg zum Alten Testament führte durch die philosophische Hintertür." (br)


Die Antrittsvorlesung von O. Univ.-Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger mit dem Titel "Sehen im Nicht-Sehen. Mose auf dem Berg Sinai" findet am Mittwoch, 9. Jänner 2008 um 18 Uhr im Kleinen Festsaal der Universität Wien statt.

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