Markus Arndt - Wittgenstein-Preisträger 2008
Univ.-Prof. Dr. Markus Arndt ist seit 2004 Professor für Quantennanophysik an der Fakultät für Physik der Universität Wien. Der 1965 in Unkel (Deutschland) geborene Physiker studierte zunächst an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er auch sein Doktorat machte. Es folgten Postdoc-Ausbildungen an der Ecole Normale Supérieure in Paris und der Universität Innsbruck (bei Anton Zeilinger). Ab 1999 war er an der Universität Wien beschäftigt, zunächst als Assistent, dann als Dozent (2002 Habilitation). 2001 erhielt er bereits den START-Preis des FWF für seine Forschungsarbeit - er ist damit nach Ferenc Krausz erst der zweite Wissenschafter, dem nach der Aufnahme in das START-Programm auch der begehrte Wittgenstein-Preis zugesprochen wurde.
Seit 2006 leitet er das FWF-Doktoratskolleg "Complex Quantum Systems" der Universität Wien und der Technischen Universität Wien. Seit Jänner 2007 ist er an der Fakultät Sprecher der Gruppe Quantenoptik, Quantennanophysik und Quanteninformation.
Forschungsschwerpunkt: Quanteninterferenz
Die Quantentheorie ist die zentrale Säule der modernen Physik. Der Wittgenstein-Preis wird ermöglichen, die Quantenforschung auf eine neue Komplexitätsebene zu heben. Ein Schwerpunkt dabei ist die "Materiewellenphysik von Nanomaterialien", was gelegentlich - leicht verfälscht - als die Möglichkeit eines Teilchens, an verschiedenen Orten zugleich zu sein, beschrieben wird. Quanteninterferenzexperimente mit massiven Molekülen und Clustern, die in Wien weltweit erstmals erfolgreich waren, sollen weiterentwickelt werden. Mit der Quanteninterferenz supermassiver kalter Metallcluster wird der Frage nachgegangen, ob man Indizien dafür findet, dass die Quantenphysik bei großen Teilchenmassen modifiziert werden muss.
Komplementär dazu wird die Quanteninterferometrie mit organischen Molekülen einen neuen interdisziplinären Forschungszweig an der Grenze zwischen Physik, Chemie und Biologie initiieren.
Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchstdotierter und prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung jährlich seit 1996 durch den FWF vergeben wird. Der Preisträgerin / dem Preisträger stehen für ihre / seine weitere wissenschaftliche Arbeit, insbesondere für den Aufbau einer Forschungsgruppe, bis zu 1,5 Mio. Euro für die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der Entscheidungsvorschlag wurde von der Internationalen START- und Wittgenstein-Jury zusammengestellt, die sich aus renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammensetzt. Die Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Sheila Jasanoff, Professorin an der Kennedy School of Government, Harvard University.
START-Preise
Mit dem START-Programm werden junge SpitzenforscherInnen in Österreich gefördert. WissenschafterInnen soll die Möglichkeit geboten werden, auf längere Sicht und finanziell weitgehend abgesichert, ihre Forschungsarbeiten zu planen und eine eigene Arbeitsgruppe aufzubauen. Die drei NachwuchsforscherInnen erhalten in den nächsten sechs Jahren jeweils 200.000 Euro jährlich für ihre wissenschaftlichen Arbeiten.
Tom J. Battin
Doz. Mag. Dr. Tom J. Battin (geb. 1966 in Luxembourg) ist seit 2005 Universitätsassistent am Department für Limnologie und Hydrobotanik der Universität Wien und Gruppenleiter der WasserKluster Lunz GmbH (interuniversitäres Zentrum für Aquatische Ökosystemforschung) in Lunz am See. Er studierte Zoologie an der Universität Wien und promovierte 1998 in Ökologie ebendort. 2004 habilitierte sich Battin für Aquatische Ökologie an der Universität Wien. Von 2000 bis 2001 war Battin mit einem Erwin Schrödinger Postdoctoral Fellow am Stroud Water Research Center in den USA.
Forschungsschwerpunkt: Kohlenstoff-Transport in Fließgewässern
Bäche und Flüsse veratmen weit mehr organischen Kohlenstoff terrestrischen Ursprungs als bisher angenommen. Battin geht der Frage nach, wie es diesen aquatischen Ökosystemen gelingt, organischen Kohlenstoff, der oft über Jahrzehnte in Böden lagerte, abzubauen und in CO2 umzuwandeln. Da die Klimaveränderung verstärkt zur Mobilisierung von Kohlenstoff in arktischen Böden sowie zu extremen Wetterereignissen und Hochwässern in Zentraleuropa führt, ist dieses Forschungsthema sehr brisant. Battin und sein Team arbeiten mit modernsten Untersuchungsmethoden, wie z.B. mit Metabolomik, Metagenomik und der Messung von Treibhausgasen.
Kristin Tessmar-Raible
Dr. Kristin Tessmar-Raible (geb. 1977 in Görlitz, Deutschland) studierte Biologie an der Universität Heidelberg. Ihr Doktorat schloss sie 2004 an der Universität Marburg ab, ihre Postdoc-Ausbildung absolvierte sie wieder in Heidelberg am European Molecular Biology Laboratory (EMBL). Zwischen 2001 und 2003 kam sie u.a. als "visiting scientist" an die University of Cambridge, UK, und an die University of California San Francisco, USA. Seit 2008 ist Tessmar Junior Group Leader an den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien.
Forschungsschwerpunkt: Molekulare Mechanismen lunarer Rhythmen
Kristin Tessmar beschäftigt sich in ihrem Forschungsprojekt mit der Rolle bestimmter Lichtsinneszellen für biologische Reproduktionsrhythmen. Das Mondlicht ist ein natürlicher Zeitgeber für viele im Meer lebende Organismen wie z.B. den Borstenwurm Platynereis dumerilii, Tessmars Forschungsobjekt. Lesen Sie einen ausführliche Beschreibung ihrer Forschungsarbeit im zweiten Beitrag des Forschungsnewsletters.
Christina Waldsich
Mag. Dr. Christina Waldsich (geb. 1975 in Wien) studierte Mikrobiologie in Wien und promovierte 2002 in Genetik an der Universität Wien. Nach einer Postdoc-Stelle an der Universität Wien folgte von 2003 bis 2006 eine weitere an der Yale University, USA. Waldsich erhielt dafür ein Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium des FWF. Von 2006 bis 2008 arbeitete Waldsich als Forschungsassistentin an den Max F. Perutz Laboratories, seit 2008 ist sie Gruppenleiterin ebendort.
Forschungsschwerpunkt: RNA-Faltung in der lebenden Zelle
Alle RNAs haben eine hoch spezifische dreidimensionale Struktur, um ihre Aufgaben in der Zelle erfüllen zu können. Der Prozess der RNA-Faltung beschreibt den Weg, wie sich die RNA von einem ungeordneten Zustand in die funktionelle Konformation faltet. Waldsich erforscht diesen Prozess an der lebenden Zelle. Dies hat vor allem für die Medizin große Bedeutung, da RNA bei der Entstehung von genetischen Krankheiten und Krebs sowie der Ausbreitung von viralen Infektionen eine entscheidende Rolle spielt.
Weitere START-Preisträger
Neben den drei PreisträgerInnen an der Universität Wien erhielten noch fünf weitere Nachwuchswissenschafter den START-Preis: Markus Aspelmeyer (Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, ÖAW Wien), Massimo Fornasier (Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics, ÖAW Linz), Daniel Grumiller (Institut für Theoretische Physik, TU Wien), Alexander Kerndl (Institut für Ionenphysik and angewandte Physik, Universität Innsbruck) und Karel Riha (Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie, ÖAW Wien).
Die START-Preise werden seit 1996 verliehen. Das Programm richtet sich an junge SpitzenforscherInnen aller Fachdisziplinen, die außergewöhnliche internationale wissenschaftliche Publikationstätigkeit vorweisen können und/oder schon über Auslandserfahrung verfügen. Die Entscheidung über die PreisträgerInnen trifft eine internationale Jury, die sich aus renommierten ExpertInnen aus dem Ausland zusammensetzt. Die zugewiesenen Gelder dürfen ausschließlich für Forschungsarbeiten verwendet werden. Das Programm wird vom Wissenschaftsfonds FWF im Auftrag des Wissenschaftsministeriums durchgeführt. |